Der Soldiers Walk in Hobart / Australien

Ein besonderer Soldatenfriedhof in Tasmanien

Der Soldiers Walk - M. Luckhardt
Der Soldiers Walk - M. Luckhardt
Australien hat eine große Tradition, an die Gefallenen des 1. Weltkriegs zu denken. Eine besondere Art sind die "Soldiers Walks" in Tasmanien - Bäume für die Gefallenen.

In Hobart findet sich in idyllischer Umgebung ein mit 520 Bäumen bepflanzter "Weg der Ehre". Die Bäume wurden zwischen 1918 und 1919 im Gedenken an die Männer von Hobart gepflanzt, die im ersten Weltkrieg in Europa fielen. Von den Originalpflanzungen sind 350 Bäume noch erhalten, der Rest wurde neu gepflanzt. Der Soldiers Walk von Hobart ist der längste der rund 40 existierenden Ehrenwege in Tasmanien.

Ein junger Mann aus Hobart stirbt in Belgien

Rund 10 Millionen Männer ließen im ersten Weltkrieg ihr Leben - 488 davon kamen aus dem fernen Hobart. Einer war James Ernest Turner. Der 25jährige wurde 1914 angeworben und zwei Monate später nach Übersee verschifft. Im fernen Europa kämpfte er drei Jahre lang, dreimal wurde er schwer verwundet. Dann tobte die schwere Schlacht im belgischen Zonnebeke. Die Briten eroberten unter schweren Verlusten die Stadt von den Deutschen zurück; der Ort wurde dem Erdboden gleich gemacht. Turner ließ mit 28 Jahren sein Leben - rund 17.000 Kilometer von seiner Heimat entfernt.

Der Soldiers Walk von Hobart

Hobart ehrte seine Söhne, die in fernen Ländern kämpften, mit dem Soldiers Walk. Für jeden Gefallen wurde ein Baum gepflanzt und eine Gedenktafel aufgestellt. Für James Ernest Turner wurde 1918 ein Baum gepflanzt. In Tasmanien stellt dies eine besondere Art dar, seiner toten Soldaten zu gedenken. Der Soldiers Walk wird heute liebevoll von einer Organisation gepflegt, die Bäume werden mit frischen Blumen versehen. Auf der Homepage der Organisation wird jeden Monat ein "Soldat des Monats" ernannt und vorgestellt, indem zum Beispiel ein Brief an die Eltern veröffentlicht wird.

Schnelle Abkühlung der Kriegsbeisterung in Tasmanien

In Tasmanien begrüßte man den Ausbruch des ersten Weltkriegs im August 1914 anfangs mit großem Enthusiasmus. Viele Männer meldeten sich als Freiwillige. Aber der Krieg zeigte schnell sein unangenehmes Gesicht: In Claremont wurde ein Konzentrationslager gegründet, die Stadt Bismarck in Collinsvale umbenannt und viele Deutsche wurden verfolgt. Sie stellten nach den Briten die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe. Die Arbeitslosenquote verdoppelte sich in den ersten sechs Kriegsmonaten, weil viele deutsche Absatzgebiete geschlossen wurden - darunter litten die Holzindustrie und der Bergbau. Die Inflation nahm zu.

Kriegsunwillige Tasmanier

Der Krieg forderte immer mehr Männer, die in erster Linie aus dem darniederliegenden Bergbau rekrutiert wurden. Das schürte den Unmut unter den Männern. Mit sinkenden Rekrutierungszahlen stieg die Aggressivität der Rekrutierungsmethoden - doch nichts half. Der Beitrag von Tasmanien an Soldaten lag bei kümmerlichen 38 Prozent der einsatzfähigen Männer. Nur der Staat Victoria hatte eine schlechtere Quote. Rund 13.000 Tasmanier zogen im fernen Europa für die Entente in den Krieg, davon wurden über die Hälfte verwundet und 2.432 verloren ihr Leben. Insgesamt schickte Australien von seiner 416.809 Mann starken Armee 330.000 Männer in den Krieg - 60.000 Männer fielen, 140.000 wurden verwundet. Australien hatte im Ersten Weltkrieg von allen Verbündeten im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße die meisten Gefallenen zu beklagen.

ANZAC-Day

Der schreckliche Krieg kreierte in Australien und Neuseeland die ANZAC-Tradition - ein Symbol von nationalem Stolz und Identität. Zu Ehren der Gefallenen des "Australian and New Zealand Army Corps" (ANZAC) finden jedes Jahr am 25. April überall große Feiern statt . Am 25. April 1915 landete das ANZAC auf der Halbinsel Gallipoli während der alliierten Dardanellenoperation. Mit zahllosen Umzügen, Festivitäten und Reden wird in allen Teilen von Australien und Neuseeland der Gefallenen gedacht, die zahlreichen Soldatendenkmäler und Denkstätten werden geschmückt und geehrt. Der ANZAC-Day ist einer der wichtigsten Feiertage für Kinder, Erwachsene und Veteranen. Es dominiert das Bild von einer im Krieg zusammengeschweißten Gesellschaft - weniger gedacht wird der dunklen Seite der Kriegszeit mit zerbrochenen Familien, Tod und Leid.

M. Luckhardt, Heiko Marquardt

Miriam Luckhardt - Miriam Luckhardt ist Wirtschaftspsychologin und war 14 Jahre in der Industrie zu Hause; jetzt ist sie im öffentlichen Dienst ...

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